Kapitalmarkt & ETF

ETF verstehen: Teilfreistellung, TER und thesaurierend

Ein ETF bildet einen Index nach — drei Begriffe entscheiden über Kosten und Steuern: TER, Ausschüttungsart und Teilfreistellung.

ETFs gehören zu den günstigsten und transparentesten Wegen, breit gestreut am Kapitalmarkt teilzunehmen. Wer einsteigt, stößt schnell auf drei Begriffe: TER, thesaurierend oder ausschüttend und Teilfreistellung. Dieser Beitrag erklärt sie neutral und ohne Werbung — damit Sie verstehen, was Sie wirklich besitzen und was es kostet.

ETF steht für Exchange Traded Fund — einen börsengehandelten Fonds. Die meisten ETFs sind Indexfonds: Sie bilden einen vorgegebenen Index möglichst genau nach, etwa einen weltweiten Aktienindex mit tausenden Unternehmen. Statt dass ein Fondsmanager aktiv einzelne Titel auswählt, kauft der ETF einfach alle Bestandteile des Index im richtigen Verhältnis. Das macht ihn breit gestreut, transparent und vergleichsweise günstig.

Index und ETF: was nachgebildet wird

Ein Index ist ein Korb von Wertpapieren nach festen Regeln — zum Beispiel „die größten Unternehmen der entwickelten Industrieländer". Der ETF kauft diesen Korb nach. Steigt der Index, steigt der ETF; fällt er, fällt der ETF. Weil keine teure Titelauswahl nötig ist, sind die laufenden Kosten meist deutlich niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds.

TER: die laufenden Kosten

Die Total Expense Ratio (TER), auf Deutsch Gesamtkostenquote, gibt an, wie viel Prozent des angelegten Vermögens der ETF pro Jahr an laufenden Kosten einbehält. Sie wird nicht separat abgebucht, sondern täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen — sie schmälert also still die Wertentwicklung. Breite Aktien-ETFs liegen häufig zwischen etwa 0,10 % und 0,40 % pro Jahr.

0,10–0,40 %
typische TER breiter Aktien-ETFs
1,5 % +
oft bei aktiv gemanagten Fonds
täglich
anteiliger Abzug aus dem Fondsvermögen

TER ist nicht alles

Die TER erfasst die laufenden Verwaltungskosten, aber nicht jede Kostenquelle — etwa Handelskosten innerhalb des Fonds oder die Abweichung von der reinen Indexentwicklung (Tracking Difference). Für einen fairen Vergleich lohnt der Blick auf die tatsächliche Wertentwicklung über mehrere Jahre, nicht nur auf die TER-Zahl.

Thesaurierend oder ausschüttend

Aktien zahlen Dividenden, Anleihen zahlen Zinsen. Was ein ETF mit diesen Erträgen macht, unterscheidet die beiden Varianten:

VarianteWas mit Erträgen passiertGeeignet für
AusschüttendErträge werden aufs Verrechnungskonto ausgezahltwer laufende Einnahmen möchte oder den Sparerpauschbetrag gezielt nutzt
ThesaurierendErträge werden automatisch wieder im Fonds angelegtlangfristiger Vermögensaufbau mit Zinseszinseffekt, geringer Aufwand

Beide Varianten sind grundsätzlich gleichwertig — die Wahl ist vor allem eine Frage des persönlichen Ziels. Ausschüttende ETFs liefern regelmäßig Geld aufs Konto; thesaurierende legen alles automatisch wieder an und nutzen so den Zinseszinseffekt ohne eigenes Zutun.

Teilfreistellung: 30 % der Erträge bleiben steuerfrei

Erträge aus ETFs unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer (25 % plus Solidaritätszuschlag, ggf. Kirchensteuer). Für Aktienfonds — und Aktien-ETFs zählen dazu — gibt es jedoch die sogenannte Teilfreistellung: 30 % der Erträge bleiben pauschal steuerfrei. Hintergrund ist, dass der Fonds bereits auf Fondsebene Steuern zahlt; die Teilfreistellung gleicht das auf Anlegerebene aus.

Wer gilt als Aktienfonds?

Die 30 % Teilfreistellung gelten für Fonds, die fortlaufend mindestens 51 % in Aktien anlegen. Bei Mischfonds mit mindestens 25 % Aktienanteil sind es 15 %. Reine Anleihen-ETFs erhalten keine Teilfreistellung. Die Einordnung übernimmt die depotführende Bank automatisch.

Praktisch bedeutet das: Von 1.000 € steuerpflichtigem Aktien-ETF-Gewinn sind nur 700 € zu versteuern. Sie müssen dafür nichts tun — eine inländische Depotbank berechnet und berücksichtigt die Teilfreistellung automatisch, sowohl bei Ausschüttungen als auch bei der Vorabpauschale thesaurierender ETFs.

Stichwort Vorabpauschale

Damit auch thesaurierende ETFs nicht erst beim Verkauf besteuert werden, gibt es die Vorabpauschale: einen jährlich angesetzten, an einen Basiszins gekoppelten Mindestbetrag, auf den vorab Steuer fällig wird. Sie wird später beim Verkauf gegengerechnet, sodass es nicht zur Doppelbesteuerung kommt. Auch hier greift die 30-%-Teilfreistellung. In Jahren mit niedrigem Basiszins kann die Vorabpauschale gering ausfallen oder ganz entfallen.

Ist ein thesaurierender oder ausschüttender ETF steuerlich besser?

Über die gesamte Laufzeit nehmen sich beide kaum etwas. Thesaurierende werden über die Vorabpauschale laufend besteuert, ausschüttende über die Ausschüttung — beide profitieren von der Teilfreistellung. Wer den Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr noch nicht ausnutzt, kann mit einem ausschüttenden ETF gezielter steuerfreie Erträge realisieren.

Muss ich die Teilfreistellung selbst beantragen?

Nein. Eine inländische Depotbank wendet sie automatisch an — sowohl bei Ausschüttungen als auch bei der Vorabpauschale und beim Verkauf. Bei ausländischen Depots kann eine Berücksichtigung über die Steuererklärung nötig sein.

Sind ETFs automatisch sicher?

ETFs sind als Sondervermögen vor einer Pleite der Fondsgesellschaft geschützt und breit gestreut, was Einzeltitelrisiken senkt. Das Marktrisiko bleibt aber: Fällt der zugrunde liegende Index, fällt der ETF mit. Eine Wertgarantie gibt es nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein ETF bildet einen Index nach — breit gestreut, transparent und meist kostengünstig.
  • Die TER zeigt die jährlichen laufenden Kosten; sie wird still aus dem Fondsvermögen entnommen.
  • Thesaurierend legt Erträge automatisch wieder an, ausschüttend zahlt sie aus — beides gleichwertig.
  • Aktien-ETFs erhalten 30 % Teilfreistellung: nur 70 % der Erträge sind steuerpflichtig.
  • Teilfreistellung und Vorabpauschale berücksichtigt die inländische Depotbank automatisch.

Quellen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr; Rechtsstand kann sich ändern.

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