Altersvorsorge
Wenn Ihnen etwas zustößt: Vermögen und Familie absichern
Vollmacht, Patientenverfügung, Testament, Notfallordner und Liquidität — die Bausteine, damit Ihre Familie im Ernstfall handlungsfähig bleibt.
Über Geldanlage und Steuern wird viel gesprochen. Über das, was passiert, wenn man selbst ausfällt, fast nie — obwohl genau das die größte Lücke in vielen Vermögen ist. Wer plötzlich erkrankt, verunglückt oder stirbt, hinterlässt nicht nur Trauer, sondern oft Wochen der Handlungsunfähigkeit: gesperrte Konten, blockierte Immobilien, niemand, der entscheiden darf. Das lässt sich mit wenigen Dokumenten verhindern.
Ein verbreiteter Irrtum: „Mein Ehepartner regelt das schon." Tut er oder sie aber nicht automatisch. Ohne Vollmacht darf auch der Ehepartner weder über Konten verfügen noch medizinische Entscheidungen treffen — dann bestimmt im Zweifel das Betreuungsgericht einen Betreuer. Das kostet Zeit, Nerven und manchmal die Kontrolle über die eigenen Angelegenheiten.
Die folgenden Bausteine kosten wenig und entlasten die Familie im schwersten Moment enorm. Sie lassen sich Schritt für Schritt aufbauen.
Die vier rechtlichen Grundbausteine
- 01
Vorsorgevollmacht
Sie bestimmen eine Person Ihres Vertrauens, die in Ihrem Namen handeln darf, wenn Sie es selbst nicht mehr können — bei Bankgeschäften, Verträgen, Behörden. Ohne sie greift die gerichtliche Betreuung. Für Bankgeschäfte verlangen viele Institute zusätzlich eine separate Bankvollmacht.
- 02
Patientenverfügung
Hier legen Sie fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie wünschen oder ablehnen, falls Sie sich nicht mehr äußern können. Sie nimmt Ihren Angehörigen die Last, im Ungewissen über Leben und Tod entscheiden zu müssen.
- 03
Betreuungsverfügung
Ergänzend zur Vollmacht: Falls doch ein gerichtlicher Betreuer nötig wird, benennen Sie hier, wer das sein soll — und wer auf keinen Fall.
- 04
Testament
Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge, die selten zur tatsächlichen Lebenssituation passt. Ein Testament (handschriftlich oder notariell) regelt, wer was erbt — und kann Streit unter Hinterbliebenen verhindern.
Wichtig zur Form
Ein handschriftliches Testament muss vollständig eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein — am Computer getippt ist es ungültig. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sollten so konkret wie möglich formuliert sein. Bei größeren Vermögen, Immobilien, Unternehmen oder Patchwork-Familien ist notarielle Beratung dringend zu empfehlen.
Der Notfallordner: alles an einem Ort
Selbst die besten Dokumente nützen nichts, wenn niemand sie findet. Ein Notfallordner bündelt alles, was Ihre Familie im Ernstfall braucht — physisch oder als verschlüsselte digitale Variante mit klaren Zugriffsregeln.
- Vollmachten, Patientenverfügung, Testament (im Original bzw. Hinweis auf Verwahrort)
- Übersicht aller Konten, Depots, Versicherungen und Verträge mit Ansprechpartnern
- Immobilien: Grundbuchauszüge, Darlehensverträge, Verwalter-Kontakte
- Zugangsdaten und Passwörter (Passwort-Manager) — der digitale Nachlass wird oft vergessen
- Liste laufender Verpflichtungen: Kredite, Abos, Daueraufträge
- Kontakte: Steuerberater, Notar, Hausarzt, enge Vertrauenspersonen
Liquidität für die Hinterbliebenen
Ein oft übersehenes Problem: Im Todesfall werden die Konten des Verstorbenen häufig zunächst eingefroren, bis der Erbnachweis vorliegt. Das kann Wochen dauern. In dieser Zeit müssen Miete, laufende Kosten oder die Beerdigung trotzdem bezahlt werden.
- Eine über den Tod hinaus geltende Konto-/Bankvollmacht sorgt für sofortigen Zugriff.
- Ein gemeinsames Konto (Oder-Konto) bleibt für den überlebenden Partner nutzbar.
- Ein Notgroschen von einigen Monatsausgaben auf einem zugänglichen Konto überbrückt die Sperrzeit.
- Bei fälligen Erbschaftsteuern sollte genug liquides Vermögen da sein, um nicht Immobilien überstürzt verkaufen zu müssen.
Versicherungen: nüchtern eingeordnet
Zwei Versicherungen schützen direkt vor dem finanziellen Einbruch, wenn das Einkommen wegfällt. Beide werden hier neutral beschrieben — ob und in welchem Umfang sie passen, hängt von Ihrer Lebenssituation ab.
| Versicherung | Schützt vor | Wofür typisch |
|---|---|---|
| Berufsunfähigkeit (BU) | Verlust der Arbeitskraft durch Krankheit/Unfall | Ersetzt laufendes Einkommen, wenn man den Beruf nicht mehr ausüben kann |
| Risikolebensversicherung | Tod der Hauptverdiener | Einmalsumme für Hinterbliebene — z. B. zur Tilgung einer Immobilienfinanzierung |
Die Risikolebensversicherung ist besonders relevant, solange eine Immobilie finanziert wird oder Kinder zu versorgen sind: Sie verhindert, dass die Familie das Eigenheim verliert, weil der Kredit nicht mehr bedient werden kann. Die Berufsunfähigkeitsversicherung wiederum ist für viele Gutverdiener der wichtigste Einkommensschutz überhaupt — gerade weil das Vermögen oft noch im Aufbau ist.
Keine Produktempfehlung
Welche Summen und Konditionen sinnvoll sind, hängt von Einkommen, Familienstand, vorhandenem Vermögen und laufenden Verpflichtungen ab. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung — er zeigt nur, welche Risiken überhaupt abgedeckt werden sollten.
Zugriff auf Konten und Immobilien sichern
Vermögen, das niemand erreichen kann, hilft im Ernstfall nicht. Prüfen Sie konkret: Wer kommt im Notfall an die Konten? Wer kennt die Verwalter der Immobilien? Wer kann eine Mietkaution auszahlen oder einen Handwerker beauftragen? Genau diese Fragen klärt eine Vollmacht in Verbindung mit dem Notfallordner — bevor sie dringend werden.
Reicht es, wenn mein Ehepartner alles weiß?
Nein. Wissen ist keine rechtliche Befugnis. Ohne Vorsorgevollmacht darf auch der Ehepartner weder über Ihre Konten verfügen noch über Ihre medizinische Behandlung entscheiden. Erst die Vollmacht macht ihn handlungsfähig.
Brauche ich für ein Testament einen Notar?
Nicht zwingend — ein vollständig handschriftliches, unterschriebenes Testament ist gültig. Bei Immobilien, Unternehmen, größeren Vermögen oder Patchwork-Konstellationen ist die notarielle Form aber sehr zu empfehlen, weil sie Fehler und spätere Streitigkeiten vermeidet.
Wie oft sollte ich die Dokumente aktualisieren?
Mindestens alle paar Jahre und immer nach großen Lebensereignissen — Heirat, Geburt, Scheidung, Immobilienkauf, Unternehmensgründung. Veraltete Vollmachten oder Testamente richten im Ernstfall mehr Schaden an als gar keine.
Das Wichtigste in Kürze
- Ohne Vorsorgevollmacht ist im Ernstfall niemand befugt — auch der Ehepartner nicht.
- Vier Bausteine: Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Testament.
- Ein Notfallordner bündelt Dokumente, Konten, Zugänge und Kontakte an einem Ort.
- Liquidität für Hinterbliebene überbrückt die Sperrzeit eingefrorener Konten.
- Berufsunfähigkeit und Risikoleben decken den Wegfall des Einkommens ab — neutral prüfen.
Quellen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr; Rechtsstand kann sich ändern.
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