Immobilien-Grundlagen

Lohnt sich eine Kapitalanlage-Immobilie 2026 noch?

Ja — aber nicht pauschal. Es kommt auf Lage, Kaufpreisfaktor, Zinsniveau und Ihre persönliche Steuersituation an.

Nach den Zinssteigerungen der Jahre 2022 bis 2024 ist die ehrliche Antwort komplizierter geworden als früher. Eine vermietete Wohnung kann sich weiterhin lohnen — aber die Zeiten, in denen sich fast jedes Objekt „von selbst" rechnete, sind vorbei. Dieser Artikel zeigt nüchtern, wann ein Kauf 2026 sinnvoll ist und wann man besser die Finger davonlässt.

Eine Anlageimmobilie ist kein Selbstläufer und keine Geldanlage „für jeden". Sie kann ein solider Baustein der Altersvorsorge sein — wenn die Rahmendaten stimmen. Genauso schnell wird sie zum Zuschussgeschäft, wenn man sich von schönen Prospektrenditen blenden lässt. Entscheidend ist, dass Sie vor dem Kauf rechnen, nicht danach.

Die realistische Mietrendite liegt heute oft bei 3 bis 5 Prozent

Die Bruttomietrendite ist die Jahresnettokaltmiete geteilt durch den Kaufpreis. In gefragten Städten ist es schwer geworden, Wohnungen mit einer Bruttomietrendite über 3,5 Prozent zu finden — das entspricht einem Kaufpreisfaktor über dem 28- bis 30-Fachen. In B- und C-Lagen sind 4 bis 5 Prozent noch erreichbar. Nach Abzug von Verwaltung, Instandhaltung und Mietausfallrisiko bleibt als Nettomietrendite realistisch oft nur die Hälfte bis zwei Drittel der Bruttozahl übrig.

3–5 %
realistische Bruttomietrendite je nach Lage
20–25×
fairer Kaufpreisfaktor (Jahresmiete)
~10 %
Kaufnebenkosten obendrauf

Wann sich der Kauf eher lohnt

  • Sie haben einen hohen Grenzsteuersatz (etwa ab 42 %) — dann wirkt der Steuerhebel aus AfA und absetzbaren Zinsen am stärksten.
  • Die Lage stimmt: wachsende oder stabile Region, Nachfrage nach Mietwohnungen, intakte Infrastruktur.
  • Der Kaufpreisfaktor ist vertretbar (grob das 20- bis 25-Fache der Jahresmiete).
  • Sie bringen genug Eigenkapital für die Nebenkosten mit und haben eine Liquiditätsreserve.
  • Sie planen langfristig — mindestens über die zehnjährige Spekulationsfrist hinaus.

Wann man besser verzichtet

  • Der Kaufpreisfaktor liegt jenseits des 30-Fachen und die Miete lässt sich kaum steigern.
  • Sie haben kaum Eigenkapital und müssten auch die Nebenkosten mitfinanzieren.
  • Die unterstellte Miete liegt spürbar über dem örtlichen Mietspiegel — dann ist die Rendite nur auf dem Papier da.
  • Die Lage schrumpft: Abwanderung, Leerstand, wegbrechende Arbeitgeber.
  • Sie bräuchten die Liquidität kurzfristig wieder — Immobilien sind nicht schnell verkäuflich.

Das Zinsniveau verändert die Rechnung

Solange die Finanzierungszinsen über der Nettomietrendite liegen, finanziert sich das Objekt nicht aus eigener Kraft — Sie schießen monatlich zu. Das kann bei hohem Steuersatz und Wertsteigerungserwartung trotzdem sinnvoll sein, ist aber eine bewusste Entscheidung und kein Versehen. Rechnen Sie immer auch durch, wie die Anschlussfinanzierung nach Ablauf der Zinsbindung aussieht.

Was in keine Renditerechnung gehört: das Versprechen

Niemand kann Ihnen die künftige Wertentwicklung garantieren. Seriöse Kalkulationen rechnen ohne unterstellte Preissteigerung und prüfen, ob das Objekt auch dann tragfähig ist. Wenn eine Wertsteigerung kommt, ist sie ein Bonus — nicht die Grundlage der Entscheidung.

Eigenkapital und Bonität als Fundament

Banken verlangen bei Kapitalanlagen in der Regel, dass mindestens die Kaufnebenkosten aus Eigenkapital kommen. Ihre Bonität — gesichertes Einkommen, saubere Schufa, vorhandene Reserven — entscheidet über den Zinssatz und damit unmittelbar über die Wirtschaftlichkeit. Wer hier knapp kalkuliert, hat keinen Puffer für Reparaturen oder Mietausfall.

Eine Immobilie lohnt sich nicht, weil sie eine Immobilie ist — sondern weil die Zahlen für dieses eine Objekt aufgehen.

Lohnt sich der Kauf trotz höherer Zinsen?

Er kann sich lohnen, wenn Lage, Kaufpreisfaktor und Ihr Steuersatz passen. Wichtig ist, ehrlich zu rechnen: Liegt der Zins über der Nettomietrendite, zahlen Sie monatlich zu — das muss zu Ihrer Strategie und Liquidität passen.

Welche Mietrendite sollte eine Anlagewohnung mindestens bringen?

Eine feste Mindestgrenze gibt es nicht. Als Orientierung gilt: Unter rund 3 % Bruttomietrendite (Faktor über 33) wird es in den meisten Fällen schwierig, das Objekt wirtschaftlich zu betreiben.

Ist Eigennutzung oder Vermietung sinnvoller?

Das sind zwei verschiedene Entscheidungen. Bei der Kapitalanlage geht es um Rendite, Steuerhebel und Vermietbarkeit — bei der Eigennutzung um Lebensqualität. Die hier genannten Kennzahlen gelten für die vermietete Variante.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Anlageimmobilie lohnt sich nicht pauschal — die Zahlen des konkreten Objekts entscheiden.
  • Realistisch sind 2026 oft 3–5 % Bruttomietrendite; netto bleibt weniger.
  • Hoher Steuersatz, gute Lage und vertretbarer Kaufpreisfaktor sind die wichtigsten Plus-Faktoren.
  • Liegt der Zins über der Nettomietrendite, schießen Sie monatlich zu — bewusst entscheiden.
  • Niemals mit unterstellten Wertsteigerungen rechnen; tragfähig muss das Objekt ohne sie sein.

Quellen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr; Rechtsstand kann sich ändern.

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