Photovoltaik & Energie
EEG-Vergütung oder PPA: wie Solarstrom vermarktet wird
Feste gesetzliche Vergütung, langfristiger Liefervertrag oder Spotmarkt — die Art der Vermarktung entscheidet über Planbarkeit und Risiko.
Eine Solaranlage produziert Strom; entscheidend für das Ergebnis ist aber, zu welchem Preis dieser Strom verkauft wird. Drei Wege stehen offen: die feste EEG-Vergütung, ein langfristiger Liefervertrag (PPA) und der schwankende Spotmarkt. Jeder Weg hat ein anderes Verhältnis von Planbarkeit und Chance. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede nüchtern — inklusive der Risiken.
Bei der Vermarktung von Solarstrom geht es im Kern um eine Frage: Wie sicher ist der Erlös je Kilowattstunde über die Laufzeit? Je planbarer der Preis, desto verlässlicher die Kalkulation — aber desto geringer oft die Chance auf zusätzliche Erlöse bei steigenden Marktpreisen. Wer ein PV-Investment beurteilt, sollte zuerst verstehen, wie der Strom verkauft wird.
Weg 1: Feste EEG-Vergütung
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sichert für viele Anlagen einen festen Vergütungssatz über 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr zu. Der Erlös je Kilowattstunde steht damit von Anfang an fest und ist unabhängig vom Börsenpreis. Das ist die planbarste Variante. Für kleinere Anlagen bis 100 kWp besteht die freie Wahl zwischen fester Einspeisevergütung und freiwilliger Direktvermarktung.
Marktprämie und Direktvermarktung
Anlagen über 100 kWp müssen in die Direktvermarktung: Der Strom wird über einen Direktvermarkter an der Börse verkauft, und der Staat zahlt über die gleitende Marktprämie die Differenz zum gesetzlich festgelegten „anzulegenden Wert" hinzu. Wirtschaftlich ähnelt das einer abgesicherten Vergütung — der Anlagenbetreiber erhält im Ergebnis weitgehend den anzulegenden Wert, abzüglich der Vermarktungsgebühr. Bei großen Freiflächenanlagen wird dieser Wert über Ausschreibungen der Bundesnetzagentur ermittelt; die Zuschläge lagen zuletzt im Bereich von rund 5 bis 5,5 ct/kWh.
Weg 2: PPA — der langfristige Liefervertrag
Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist ein direkter, langfristiger Stromliefervertrag zwischen Anlagenbetreiber und Abnehmer — etwa einem Industrieunternehmen oder Stromhändler. Vereinbart wird ein Preis je Kilowattstunde über mehrere Jahre, oft zehn Jahre oder länger. PPAs gewinnen an Bedeutung, vor allem für Anlagen ohne oder nach Auslaufen der EEG-Förderung.
- Planbarkeit: Ein fester PPA-Preis schafft Kalkulationssicherheit über viele Jahre.
- Bonität des Abnehmers: Der Vertrag ist nur so gut wie der Partner, der ihn erfüllt — fällt der Abnehmer aus, ist der Erlös gefährdet.
- Preisniveau: Der vereinbarte PPA-Preis kann über oder unter dem späteren Marktpreis liegen — beide Seiten tragen ein Risiko.
- Vertragsgestaltung: Mengen, Laufzeit, Preisanpassung und Ausfallregelungen müssen sauber definiert sein.
Weg 3: Spotmarkt
Wird der Strom direkt am kurzfristigen Spotmarkt verkauft, richtet sich der Erlös nach dem aktuellen Börsenpreis — Stunde für Stunde. Das eröffnet Chancen in Hochpreisphasen, bedeutet aber volle Marktpreisschwankung. Gerade Solarstrom hat ein Problem: Wenn die Sonne scheint, speisen viele Anlagen gleichzeitig ein, was den Preis in diesen Stunden drückt (Kannibalisierungseffekt). Eine Kalkulation, die dauerhaft hohe Spotpreise unterstellt, ist nicht seriös.
| Variante | Planbarkeit | Marktpreischance | Hauptrisiko |
|---|---|---|---|
| Feste EEG-Vergütung | sehr hoch | keine | keine zusätzliche Chance bei steigenden Preisen |
| Marktprämie (Direktvermarktung) | hoch | gering | Vermarktungsgebühr, Abwicklung |
| PPA | mittel bis hoch | mittel | Bonität des Abnehmers, Preisniveau |
| Spotmarkt | niedrig | hoch | volle Preisschwankung, Kannibalisierung |
Warnung
Misstrauen Sie Renditeprognosen, die mit dauerhaft hohen Strompreisen am Spotmarkt rechnen. Strompreise sind volatil und kaum über 20 Jahre vorhersagbar. Je stärker die Kalkulation auf optimistischen Marktpreisen beruht, desto größer das Risiko, dass die Realität enttäuscht.
Was das für die Beurteilung bedeutet
Es gibt nicht „die beste" Vermarktung — es gibt nur das passende Risikoprofil. Wer Planbarkeit sucht, ist mit fester Vergütung oder Marktprämie am besten bedient. Ein PPA verbindet Sicherheit mit etwas mehr Chance, hängt aber an der Bonität des Abnehmers. Der reine Spotmarkt ist nur etwas für Anleger, die Schwankungen bewusst tragen wollen. Entscheidend ist, dass die Prognose offenlegt, auf welcher Vermarktung sie beruht.
Ist die feste EEG-Vergütung immer die sicherste Wahl?
Sie ist die planbarste, weil der Erlös je Kilowattstunde feststeht. Dafür profitieren Sie nicht von steigenden Marktpreisen. Ob das die „beste" Wahl ist, hängt von Ihrem Risikoprofil ab — Sicherheit erkauft man mit dem Verzicht auf Zusatzchancen.
Was ist das größte Risiko bei einem PPA?
Der Vertrag ist nur so verlässlich wie der Abnehmer. Wird dieser zahlungsunfähig, ist der vereinbarte Erlös gefährdet. Deshalb sind Bonität des Abnehmers und die Ausfallregelungen im Vertrag zentrale Prüfpunkte.
Warum sind hohe Spotmarkt-Annahmen ein Warnsignal?
Weil Strompreise stark schwanken und bei viel Solareinspeisung gerade in sonnenreichen Stunden fallen können. Eine Prognose, die dauerhaft hohe Spotpreise unterstellt, rechnet sich künstlich schön.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Art der Stromvermarktung entscheidet über Planbarkeit und Risiko.
- Feste EEG-Vergütung ist am planbarsten, bietet aber keine Marktpreischance.
- Anlagen über 100 kWp müssen in die Direktvermarktung (Marktprämie).
- Ein PPA schafft Sicherheit, hängt aber an der Bonität des Abnehmers.
- Kalkulationen mit dauerhaft hohen Spotpreisen sind unseriös.
Quellen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr; Rechtsstand kann sich ändern.
Eine Frage offen geblieben? Alle Themen ansehen oder persönlich nachfragen.